Nach der Brandkatastrophe im Hoffmannhaus Wilhelmsdorf richten sich die Mitarbeiter im Provisorium ein – Brandursache ermittelt
Wenige Tage nach dem Großbrand im Haupthaus der Jugendhilfe Hoffmannhaus in Wilhelmsdorf, einer Einrichtung der Diakonie der Ev. Brüdergemeinde Korntal, weicht die Anspannung der Mitarbeiter nach dem Schock einer konzentrierten Geschäftigkeit. Jetzt gilt es aufzuräumen und die Verwaltung, die u. a. im betroffenen Gebäude untergebracht war, wieder arbeitsfähig zu machen. Kurzerhand hat man Akten, Computer und Möbel im gegenüberliegenden Gemeinschaftshaus untergebracht, wo man gerade ein provisorisches Großraumbüro für die Leitung des Hoffmannhauses einrichtet. In der Nacht von Karfreitag auf Karsamstag war es zu einem Brand im Obergeschoss des Hauses am Saalplatz im Zentrum Wilhelmsdorfs gekommen. 120 Wehrleute waren im Einsatz, der bis zum Samstagnachmittag andauerte. Brandauslöser war ein elektrotechnischer Defekt in der Decke zwischen Ober- und Dachgeschoss. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich neun Personen in dem Haustrakt, in dem Dienstwohnungen untergebracht waren. Alle Bewohner konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Über den Sachschaden liegen bislang noch keine Zahlen vor.
Am Montag beginnt nach den Osterferien wieder der reguläre Betrieb der Jugendhilfe Hoffmannhaus. Dann kommen die Kinder und Jugendlichen zurück, die hier in stationären Wohngruppen und in Tagesgruppen untergebracht sind. Bekocht wurden sie bis zum Brand von der Zentralküche im zerstörten Hauptgebäude. Wo man ab Montag das Essen für 130 Personen zubereiten wird, ist noch unklar. Infrage kommt u. a. die Nutzung von Räumlichkeiten der Ziegler'schen Anstalten, die bereits eine Küche sowie Büros angeboten haben.
Gerhard Haag, Gesamtleiter des Hoffmannhauses, glaubt nicht daran, dass das Haupthaus bald wieder benutzt werden kann. Er rechnet mit einer aufwändigen Totalsanierung. Auf jeden Fall beinträchtig der Vorfall die Arbeit der Jugendhilfeeinrichtung. Vor allem das Löschwasser hat im gesamten Haus große Schäden angerichtet. Immer noch riecht es stark nach Rauch. Selbst im Erdgeschoss des Fachwerkhauses aus dem Jahre 1830 hängen Balken, Tapetenfetzen, Abdeckungen und Füllmaterialien von der Decke herunter. Auf einer Plane, mit der man in aller Eile elektrische Geräte abgedeckt hat, steht noch rostig-braunes Löschwasser. In der Dachwohnung wird das ganze Ausmaß des Brandes sichtbar: Pechschwarze Wände, herausgerissene Balken und Wände, die grelles Tageslicht hereinlassen, herumliegende Schuhe, Flaschen, umgestoßene Stühle und angebrannte Matratzen.
Große Hilfsbereitschaft
Gegenüber im Gemeinschaftshaus werden jetzt nach und nach Computer angeschlossen und die Telefonanlage wieder in Betrieb genommen. Sekretärin Maria Gering sieht schon wieder Licht am Ende des Tunnels. Sie richtet gerade mit der Heilpädagogin Gerlinde Spahr, die ihren Osterurlaub genau wie viele andere opfert, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen, das provisorische Büro im Gemeinschaftshaus ein. Zunächst wurden die wichtigen Unterlagen mit Hilfe der Feuerwehr in der Sporthalle auf dem Heimgelände gelagert. Anschließend hat man sie wieder in die inzwischen aufgestellten Schränke verteilt. „Dabei haben alle angepackt ohne große Worte zu machen“, sagt Maria Gering. „Wir erleben eine große Hilfsbereitschaft.“ Erziehungsleiter Christoph Lutz pflichtet ihr bei: „Von der Bevölkerung wurden uns sogar Übergangswohnungen für Mitarbeiter angeboten.“ „Ein besonderer Dank gilt den Einsatzkräften der Feuerwehren, die in stundenlangem und teils lebensgefährlichem Einsatz ihren Dienst gemacht haben“, ergänzt Gerhard Haag. „Dafür sind wir sehr dankbar!“
Zunächst gilt es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hoffmannhauses, sich im Provisorium einzurichten. Dabei behilflich ist ein bodenständiger Pragmatismus und ein Teamgeist, der durch die Brandkatastrophe noch stärker wurde. Bis Montag jedoch sind noch einige Entscheidungen zu treffen, damit es auch nach dem Brand weitergehen kann im Hoffmannhaus Wilhelmsdorf.