Eine neue Chance für eine berufliche Perspektive
Wer ohne Schulabschluss bleibt hat kaum Chancen auf eine Lehrstelle. Das Hoffmannhaus Wilhelmsdorf startete jetzt eine Initiative, die Jugendlichen berufliche Schlüsselqualifikationen vermittelt und den Übergang in eine Ausbildungsmaßnahme gestaltet: eine Sonderberufsfachschule.
Hier können Sie Fotos aus der Sonderberufsfachschule sehen...
Im Hoffmannhaus Wilhelmsdorf kennt man sich aus mit Jugendlichen, die sich sehr schwer tun mit der Schule. In der Hoffmannschule, die zum Hoffmannhaus gehört, fördert man Schülerinnen und Schüler, die durch das Raster der Regelschulen gefallen sind. Kleine Klassen und eine intensive sonderpädagogische Betreuung sind Markenzeichen dieser Schule für Erziehungshilfe.
Wenn der Plan fürs Leben fehlt
Immer mehr Schüler sind aufgrund einer problematischen familiären Situation oder wegen anderer „Entwicklungshandicaps“ mit der Lernsituation überfordert, verweigern den Unterricht oder brechen die Schule ganz ab. Dazu kommen diejenigen, die zwar den Hauptschulabschluss geschafft haben aber beim Übergang von der Schule zur Ausbildung Schwierigkeiten haben. „Besonders an diesem Punkt ihrer Entwicklung brauchen sie intensive Begleitung und Unterstützung“, sagt Gerhard Haag, Gesamtleiter im Hoffmannhaus. „Oft haben die Jugendlichen einfach keinen Plan fürs Leben. Aber genau diesen wollen wir mit Ihnen gemeinsam entwickeln“, ergänzt er.
Gerhard Haag hat weitere Problemfelder ausgemacht: „Vielen Jugendlichen fehlt es an der Fähigkeit, sich selbst zu organisieren. Bei ihnen sind wichtige soziale Kompetenzen unterentwickelt, aber ausbaufähig. Dazu kommt der Migrationshintergrund mancher Schüler, der das Einleben in der Gesellschaft ohnehin sehr schwer macht.“ Die sozialpolitischen Daten belegen den Handlungsbedarf auf diesem Feld. Trotz sinkender Schülerzahlen steigt die Zahl der Schulabbrecher ohne Hauptschulabschluss landesweit an. Das Hoffmannhaus will hier gegensteuern. Für Gerhard Haag und sein Team war es deshalb wichtig, an dieser Nahtstelle anzusetzen und für Jugendliche eine Möglichkeit zu schaffen, die ihnen die Chance auf eine reguläre Ausbildung offen lässt. Dieses neue Konzept des Hoffmannhauses heißt „Sonderberufsfachschule“.
Kombination aus Theorie und Praxis
„Unser Ziel ist es, dass Jugendliche erwerbstätig werden und nicht von staatlichen Transferleistungen abhängig bleiben. So können wir als Jugendhilfeeinrichtung unseren Beitrag dazu leisten, dass der Fachkräftemangel abgebaut wird“, so Gerhard Haag. Erreichen will er dies mit einer Kombination aus Theorie und Praxis, mit der Verknüpfung von Hoffmannschule und hauseigenen Betrieben. Auch der Einsatz eines Jugendberufshelfers, der ausgewählte Jugendliche der Hoffmannschule mit besonderem Unterstützungsbedarf individuell begleitet, sowie der Aufbau von Kooperationsbeziehungen zu Handwerksbetrieben, Industrie und Dienstleistung sind wichtige Bausteine im Gesamtkonzept .
Individuelle Betreuung
Die „speziellen Schüler“ brauchen eine spezielle Umgebung, in der sie durch kontinuierliche Beziehungen Vertrauen zu den Fachkräften entwickeln können, um durchzuhalten und schließlich ihr Ziel, die so genannte „Ausbildungsfähigkeit“, zu erreichen. Im Hoffmannhaus nutzt man dazu die sich bietenden Synergien auf dem Heimgelände. Die Hoffmannschule ist nur wenige Meter vom Haupthaus der Jugendhilfeeinrichtung und den Regiebetrieben entfernt. Alles ist überschaubar, die Wege kurz, Lehrer der Hoffmannschule und die Leiter der Betriebe – die gleichzeitig die Fachlehrer des Praxisteils sind – bekannt. Die Klassenstärke wird nicht mehr als zehn bis maximal 12 Schüler betragen, der Jugendberufshelfer ist ebenfalls vor Ort. „Das sind beste Voraussetzungen für eine auf den jeweiligen Jugendlichen abgestimmte Förderung“, ist Gerhard Haag überzeugt.
Was man alles machen kann
„Wir bieten alles kompakt aus einer Hand an“, sagt Gerhard Haag. Besonders der Einblick in die praktische Berufstätigkeit, die das Hoffmannhaus bietet, kann sich sehen lassen: Da ist der landwirtschaftliche Betrieb mit Vieh- und Milchviehhaltung sowie dem Kartoffel- und Futteranbau. Die Hauswirtschaft bietet die Bereiche Großküche, Wäscherei, Näherei und Gebäudereinigung. Last but not least gibt es auf dem Gelände des Hoffmannhauses die Schreinerei. Hier können die Sonderberufsfachschüler erleben, wie es in einer Bauschreinerei, einer Glaserei, beim Innenausbau und beim Möbelschreinern zugeht. „Wir nutzen unsere hauseigenen Betriebe, um eine hohe berufs- und praxisorientierte Grundqualifikation der Schüler zu erreichen“, sagt Gerhard Haag. Projekte wie „Gemüseanbau“ oder „Catering“ sollen hier in Kleingruppen von durchschnittlich drei bis vier Jugendlichen an jeweils zwei bis drei Tagen in der Woche durchgeführt werden.
„Wir hoffen, dass die Jugendlichen von diesem Angebot Gebrauch machen. Für sie ist die Sonderberufsfachschule eine gute Grundlage für ihr weiteres Leben. Eine große Chance, auf diesem Weg zu einem Ausbildungsplatz zu kommen, ist sie allemal“, so Gerhard Haag.
Anfragen und Infos gibt es unter: 07503/203-0 oder per E-Mail: jugendhilfe(at)hoffmannhaus-wilhelmsdorf.de
Hier können Sie Fotos aus der Sonderberufsfachschule sehen...
Zur Beschreibung der Sonderberufsfachschule auf der Internetseite der Hoffmannschule Wilhelmsdorf...